Saint Amour – Drei gute Jahrgänge

Saint Amour - Drei gute Jahrgänge (Roadmovie)

Traditionen sind dazu da, um sie zu brechen. Besonders, wenn es sich um eingeschliffene Verhaltensweisen geht, die nur ein Abklatsch sind von dem, was wir Leben nennen.

Da ist zum einen die jährliche „Weinreise“, die Bruno (Benoît Poelvoorde) unternimmt – von einem Weinstand zum nächsten. Eine erfolgreiche Landwirtschaftsmesse beginnt für ihn seit Jahren damit, sich erst einmal einen hinter die Binde zu kippen.

Hierbei stehen weder Kultur noch Genuss auf der Karte, sondern eher das erklärte Ziel, möglichst schnell betrunken zu werden. – Natürlich.

Zum anderen ist da die mehr als angeschlagene Beziehung zu Brunos Vater Jean (Gérard Depardieu), der versucht den jährlichen Züchterpreis zu gewinnen.

Erst als Bruno beschließt das belanglose Besäufnis mit seinem Kumpel Thierry (Gustave Kervern) während der Messe als „Weinreise“ zu bezeichnen, ist der erste Gedanke für ein neues Unterfange gesät.

Eine echte Weinreise soll die Beziehung zwischen Jean und Bruno wieder richten und schon bald sitzen Vater und Sohn gemeinsam im Taxi des jungen Mike, der für die Mobilität des unternehmerischen Gespannes sorgt.

Gemeinsam gehen sie auf eine Unternehmung, die viele Überraschungen für sie bereit hält wie schräge Typen und schüchterne Mädels aber auch Enttäuschungen und wahre Lieben – das echte Leben eben.

Fazit: Französischer Roadmovie mit großem Herz.

Trailer Saint Amour – Drei gute Jahrgänge

 

Daten & Fakten zu Saint Amour

Frankreich / Belgien 2015 / 1.85 – 5.1 / 102 Minuten
Cast: Gérard Depardieu, Benoît Poelvoorde, Vincent Lacoste, Céline Sallette, Chiara Mastroianni, Izïa Higelin, Ana Girardot, Andréa Ferréol und Michel Houellebecq
Regie und Drehbuch: Gustave Kervern und Benoît Delépine
Filmwebsite: www.SaintAmour-Film.de
Facebook: www.facebook.com/ConcordeFilmverleih

Insiderwissen

Benoît Delépine: „Es ist das erste Mal, dass wir einen ganzen Film mit zwei Kameras drehten. Auf der Landwirtschaftsmesse war das dringend nötig, weil im Hintergrund ständig Messebesucher zu sehen waren, die Selfies machten. Andererseits konnten wir so die Gesichter unserer Schauspieler und Filmfiguren besser einfangen. Rückblickend wird uns klar, dass wir in unseren alten Filmen nicht oft genug Gesichter gezeigt haben. Und radikaler könnte der Unterschied zu heute nicht ausfallen: In AALTRA etwa zeigen wir Poelvoordes Gesicht überhaupt nicht, sondern immer nur seinen Hintern. Diesmal wollten wir gefühlvoller sein, und das erreicht man nur, indem man Gesichter zeigt.“

Gustave Kervern: „Was die Stimmigkeit angeht, hatten wir mit unseren Schauspielern kaum Probleme. Sie dazu zu bringen, mit dem Herumalbern und Quatsch machen aufzuhören, das war nicht leicht! (…) Es gibt da eine Anekdote, die stellvertretend ist für viele: Die Szene mit dem Gästezimmer und Michel Houellebecq drehten wir bei einem Nachbarn von Benoît, in der Nähe von Angoulême. An der echten Kulisse hatten wir nichts verändert – wenn wir einen Schauplatz gut finden, bleibt er meistens so, wie er ist. Poelvoorde kam ans Set, ging schnurstracks auf einen Buffetschrank zu, entdeckte darin eine kleine Flasche Calvados und trank alles in einem Zug aus. Als der Besitzer das mitbekam, regte er sich tierisch auf. (…) Benoît musste sich umständlich entschuldigen und eine neue Flasche kaufen. Das hat Stunden gedauert! Und so war es die ganze Zeit. Wie gesagt, Vincent war im Grunde der einzige Erwachsene am Set!“